BY Kinder-vor-RZH 15Zum 24. Mal seit 1992 konnte man im Rosenthaler Rüstzeitheim fast den gesamten Januar über wieder russische Laute und Kinderlachen hören. Denn auch in diesem Jahr ermöglichten Spender aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus  wieder den  Erholungsaufenthalt von 25 weißrussischen Tschernobylkinder mit ihren beiden Betreuerinnen und einem Dolmetscher.

Den Mammut-Teil der organisatorischen Arbeit  trug wie stets und  mit aller ihm eigenen Akribie sowie unglaublichem Elan Pfarrer i.R. Günter Hartmann. Unsere  ca. 20 ehrenamtlichen Mitglieder der Projektgruppe brachten sich auf die verschiedenste Art und Weise ein. Inna Scholz organisierte hervorragend das Gasteltern-Wochenende.  Am „Tag der offenen Tür“  zauberten  wir für die zahllosen Gäste wieder ein Kuchenbuffet.

Bei der Vorstellungsrunde der Tschernobylkinder sahen wir in Gesichter, die uns irgendwie bekannt vorkamen und es stellte sich wirklich heraus: wir begrüßen  jetzt Nachwuchs,  Nichten und Neffen jener Kinder und Jugendlichen, die sich Anfang der Neunziger Jahre bei uns erholten.  Die Familien sind in ihren Dörfern geblieben. In Dörfern, wo man unter der Ausnahmesituation der radioaktiven Strahlung, die auch fast 30 Jahre nach dem Reaktorunglück  überall im Boden und in den Gewässern zu finden ist, kein gesundes Leben führen kann. Die Kinder müssen mindestens zweimal im Jahr raus, brauchen gesunde Luft, vitaminreiches Essen, mentale Stärkung. Genau dieses „Verwöhnprogramm“ fanden sie in Rosenthal.

In diesem Jahr war doch alles noch etwas anders als früher:  nicht nur die  mitunter bedrückende soziale Situation mancher Kinder, die nur mit einem Beutel voller Habseligkeiten in Rosenthal anreisten, trieb Betreuerin Anna Petrowna die Sorgenfalten ins Gesicht. Seit Wochen ist sie als Bürgermeisterin eines Grenzortes  damit beschäftigt, Unterkünfte für Flüchtlingsfamilien aus der Ukraine herzurichten. Man stelle sich das vor: diese Menschen flüchten vor Bombenhagel und Tod in Gegenden mit verstrahlter Erde! In Dörfer, die auch ohne Flüchtlinge voller sozialer Nöte sind. Auch das Dorf Dublin, wohin  unsere Projektgruppenmitglieder immer fahren, ist aufgrund des Ukrainekonfliktes derzeit nur mit Passierschein erreichbar.

Am Abschiedsabend führten die  Kinder ein kleines Programm  mit Liedern und Tänzen auf.  Zum Schluss trat ein jedes einzeln vor die Gruppe und bedankte sich für irgendetwas: das leckere Essen, die  Vorlesestunden mit Herrn Hartmann,  die Besuche in den Schulen, im Berggießhübler Stollen, auf der Festung Königstein oder dem Flughafen, bei der Feuerwehr, die Sportabende, das Wandern  und, und, und. In unserer Auswertungsrunde  resümierten wir einen der harmonischsten Erholungsaufenthalte, die uns jemals gelungen sind.

Alle-BY Kinder 15Wir möchten uns ganz herzlich bei allen bedanken, die wieder uns dabei unterstützten,  dass die Kinder vier wunderschöne Wochen in Rosenthal erleben konnten. In den nächsten Wochen erhalten alle Spender von uns ein Dankschreiben.

Bleiben Sie uns weiterhin verbunden. Wir sind zuversichtlich, dass wir auch 2016 wieder Tschernobylkinder in Rosenthal begrüßen können. Das wird dann ein Jubiläum: der 25. Erholungsaufenthalt!

Projektgruppe „Kinder von Tschernobyl“:
Anja Oehm